von Grit Hermann ☼ Quelle: www.casita-del-sol.de/teuerspa.htm
Auszug aus CASITA DEL SOL Sonderheft
Tests im Alltag haben es gezeigt:
bei dem Wort Rabatt setzt scheinbar wirklich das Hirn aus und der animalische Haben-wollen-(müssen)-Trieb im Menschen wird geweckt!
So gesehen erst kürzlich im TV. Es wurde eine improvisierte Verkaufsszene aufgebaut in einer gut besuchten Fußgängerzone einer Großstadt. Es sollten T-Shirts verkauft werden. Der Normalpreis lag bei glaube ich 4,60/Stück. Dann gab es, aber natürlich nur heute, ein Sortiment der T-Shirts zum „Super-Schnäppchenpreis“ (mit der dicken Rabatt-Werbung): 3 Stck. für 15,00 - also deutlich TEURER als einzeln gekauft. Es dauerte aber wider Erwarten nicht lange, da waren alle Shirts verkauft („schließlich kann man T-Shirts immer gebrauchen“)!
Die Käufer wurden im Anschluß befragt, ob ihnen nichts aufgefallen sei, wobei sie das Angebot genau schildern konnten, auch den Einzelpreis, aber kaum einer die Anstrengung unternahm, zu schauen, ob es denn wirklich günstiger ist.
Schließlich stand ja Rabatt drauf!!!
Ich glaube, daß den Käufern der Betrag erstattet wurde, aber es ist bei genauer Betrachtung ein ausgesprochenes Armutszeugnis für den Verstand, sich derart reinlegen (und ausschalten) zu lassen!
Doch nicht nur in diesem Bereich gibt es Beispiele en masse, besonders bei Rabatten, die man sich selbst erschafft. Schließlich ist Handeln ja jetzt erlaubt (wer Freude daran hat, kann gern für weniger als sonst arbeiten - wobei es sicher auch überteuerte Produkte und Dienstleistungen gibt, aber die, die wirklich üppige Gehälter kassieren, da wird nicht gehandelt, weil die Gehälter fest und meist selbst bei groben Fehlern sicher sind, wie zum Beispiel in Manager-Kreisen). Da gibt es Menschen, die Aufträge zu vergeben haben, aber gleichzeitig nicht bereit sind, den vollen Preis für diese Dienstleistung zu zahlen, also wie auf einem Basar (wo im Gegensatz zu Deutschland allerdings das Handeln einkalkuliert wird und sogar zum guten Ton gehört) den Preis drücken und dann noch fragen, ob es auch ohne Steuer gehen würde...
Gleichzeitig beklagt man den Niedergang der deutschen Wirtschaft,
die Tatsache, daß immer mehr Firmen ins Ausland abwandern und man die boykottieren sollte, aber keiner hätte ja den Mut dazu (man selber aber wohl auch nicht, wenn man sich so verhält)!
Was ist denn solch ein Verhalten bei genauer Betrachtung? Macht solch ein Gebaren nicht erst die Wirtschaft kaputt?! Die gleichen Leute kündigen dies und jenes, weil es woanders billiger ist (und erzählen, daß andere Schuld am hohen Preis sind, wenn sie es nicht genauso machen!) oder kaufen Gerätschaften, weil sie billig sind, aber, im Gegensatz zu den teureren Geräten, wenig bis gar keinen Nutzen haben.
Da finde ich es dann (im Sinne der höheren Gerechtigkeit und eines kosmischen Ausgleichs) spannend, wenn dann:
Na ja, immerhin war es billig, na dann...!
Meist kommen bei „billigen“ Dienstleistungen wie Angeboten noch die Folgekosten hinzu: ein bißchen Schrauben hier, ein bißchen selber machen da (haut dann meist auch nicht so hin) - vom Ärger mit dem Anbieter und der Warterei, bis denn alles fertig ist, ganz abgesehen. Wobei, ganz ehrlich, wenn ich einen Kunden hätte, der nicht bereit ist, meine Leistung anzuerkennen, indem er den dafür angemessenen Preis bezahlt (solche Leute kommen hier aber auch nicht, wobei es vor Jahren schon mal erfolglose Versuche einiger weniger gab, stattdessen kann man sich meist das allgemeine Jammern anhören, das mich zu der Grafik „...Ich muß leider draußen bleiben...“ auf Seite 10 veranlaßt hat): wozu ein Bein ausreißen? Erstmal die Sachen erledigen, wo voll bezahlt wird, denn leben muß man auch noch, oder...?
Also darf man sich dann nicht wundern, wenn Dinge zusammengeklatscht werden
(wobei es sicher auch Ausnahmen gibt, das will ich nicht in Abrede stellen - manch einer ist vielleicht auch froh, wenn er überhaupt etwas zu tun hat)...
Ich erinnere mich gut, als ich noch angestellt war, da gab es auch sogenannte Wellness-Pakete zum Super-Sonderpreis. Was aber keiner wußte: dafür mußten die ältesten Reste an Cremes zusammengemischt werden (irgendwo mußte der Preis ja herkommen, denn die „obere Etage“ wollte daran noch verdienen. Dafür war der Lohn für die, die die Arbeit erbringen mußten, dann im Verhältnis geringer - auch so kommt man zu Geld)! Und mit der Zeit wurde es auch nicht so ernst genommen. Die voll zahlenden Kunden mußten immer zuvorkommender behandelt und mit mehr Zeit.
Wer mehr bezahlt, sollte allerdings auch mehr bekommen, denke ich, allein im Sinne des Ausgleichs,
wobei man vielleicht auch nicht alles auf die Goldwaage legen und nur im Kopf berechnen sollte, sondern im Moment frei sein sollte für spontane Lösungen aus dem Herzen heraus. Natürlich sind alte Cremes keine Lösung (auch wenn sie noch haltbar waren), dann lieber sowas ganz lassen. Oder Geschichten wie mit Babyöl aus dem Supermarkt (voller Mineralöle, die die Haut nicht aufnehmen kann, künstlicher Parfumstoffe, Konservierungsstoffe etc.) in einem First Class Hotel arbeiten zu müssen....
Letzt hörte ich den schönen Satz:
„Manchmal sollte man sich fragen, WARUM etwas so billig ist.“
Stimmt, doch was, wenn dieser Satz von den Leuten stammt, die zuvor all das oben Beschriebene von sich geben/tun? - Doppelmoral, zum eigenen Vorteil ausgelegt, sodaß man selbst immer gut dasteht und immer ein volles Portemonnaie hat und dazu alles, was man sich wünscht (kost ja nix)?! Auf der anderen Seite: wer kennt das nicht: man hat ein Vorhaben, das einiges an Geld verschlingt oder man geht einkaufen, weil der Schrank kaum noch brauchbare Stücke aufweist. Ich bin auch heute noch immer wieder entsetzt, wie die Preise seit der Euro-Einführung (trotz angeblich gegenteiliger Studien) 1:1 ausgetauscht worden sind. Ein paar Schuhe bekommt man unter 100 DM nicht und das sind noch die billigsten, ein Essen beim Griechen fängt beim billigsten Gyros (in Griechenland, wo es herkommt, ein Resteessen) mit EUR 11,50 an und beim Frisör geht unter EUR 50 für einen Haarschnitt fast nichts. Gleichzeitig wurde der Lohn bzw. das Einkommen allerdings nicht 1:1 angepaßt!
Da muß man schon zusehen, wie man seine Ziele bewerkstelligt. Ich habe jedoch in meinem Beruf auch immer wieder feststellen dürfen, daß, wenn etwas sein soll, einem die Mittel dafür auch zufließen. Voraussetzung dafür: Vertrauen (nicht Berechnung, Askese oder Kalkül).
Geld hat meiner Erfahrung nach rein nichts mit Logik und Kalkül zu tun. Gewiß, die meisten Menschen schauen nur, wo es billig ist und
die Deutschen sind ohnehin stets am Jammern, was sie alles nicht haben und wie schlecht es ihnen geht
(diese Grafik ist evtl. hilfreich, etwas daran zu ändern). Ich glaube, daß es den Menschen zum Beispiel nach dem 2. Weltkrieg sicher schlecht ging (mein Vater, der im letzten Kriegsjahr geboren wurde, erzählte mir erst letzt, wie spät er damals Bananen kennengelernt hat, weil es einfach nichts gab zu der Zeit!), aber meistens sind die, die jammern, nicht arm dran, sondern schlicht und ergreifend undankbar (und meist auch geizig, weil sie das Maß dessen, was sie meinen, haben zu müssen, vorsichtshalber so hoch anlegen, daß sie es niemals erreichen können - so kann man immer Opfer sein und sich bemitleiden lassen), denn
die, die wirklich nichts haben, jammern meist nicht.
Es sind diejenigen, die wahrscheinlich nie auf die Idee kommen würden, den Preis zu drücken, denn sie wissen selbst, wie es ist, wenn man wenig hat... Und es sind diejenigen, die mit am meisten Trinkgeld geben, auch wenn sie selbst wenig haben, aber sie wissen eine gute, liebevolle Arbeit zu schätzen und sehen sie gerade heutzutage nicht als selbstverständlich an...
Und was macht die Industrie: sie springt auf den Zug auf, nutzt die Rabatt-Maschinerie, wo es geht. Wenn ich an die Aktionen bekannter Multimedia-Häuser denke, wo es an einem bestimmten Tag Staubsauger glaube ich für EUR 5 oder 10 gab - die Leute haben sich fast totgetreten, für einen Staubsauger, der nachher möglicherweise nicht mal ordentlich saugt oder im Schrank einstaubt....! Aber er war billig und man kann was erzählen, man hat „den Stich“ gemacht! Ich finde, selbst wenn etwas so günstig ist: wenn ich es nicht wirklich brauche, sind EUR 5 auch zuviel! So wird dem Volk das Geld aus der Tasche gezogen - mit vermeintlichen Sparaktionen, die keiner (oder nur wenige) brauchen.
Manche rechtfertigen dann ihren Sammel- und Kauftrieb auch vor sich selbst: na ja, irgendwann ist unser Sauger kaputt und dann müßte ich teuer einen kaufen... Gewiß, aber die Technologie ist bis dahin sicher weiter oder das dann gekaufte Gerät saugt ohnehin besser...
Ich erinnere mich an die Einrichtung meines Zentrums (heute Massage- und Wohlfühl-Oase). Ich schaute mich nach Schreibtisch und Schränken in verschiedenen Möbelhäusern um und ein Schrank fiel mir ins Auge - es war genau DER Schrank - als ich dann den Preis hörte, allerdings nicht mehr (in Höhe damals eines Kleinwagens - heute bekäme man dafür nur noch einen halben Kleinwagen, denn die Kleinwagen kosten heute, was früher die Mittelklasse kostete, allerdings ohne, daß sich irgendetwas verbessert hätte - im Gegenteil: alle reden von Spritsparen, nur werden heute immer noch keine wirklich benzinsparenden Modelle gebaut...!). Selbst als wir das Ganze später einige Tausend (!!!) DM günstiger vom gleichen Hersteller, allerdings in einer anderen Firma, sahen, kamen mir Bedenken, steckte doch auch in mir die Auffassung, daß so etwas nicht so teuer sein muß. Schließlich war es nur eine Schrankwand, ein Schreibtisch und eine Anrichte, allerdings in hübschem Vollholz...
Meine Tendenz ging dem scheinbaren Zeitgeist entsprechend dahin, etwas günstigeres (einfacheres und weniger Passenderes) zu suchen. Ich erzählte meiner Oma von meinem Hin-und-her-Gerissensein in diesem Punkt, die dazu nur sagte:
„Kind, gönn dir was Vernünftiges. Hinterher freust du dich drüber, jeden Tag, wenn du es benutzt oder siehst“.
Und wie Recht sie damit hatte! Ich freue mich auch heute, fast 10 Jahre und 2 Umzüge mit einigen Schränken der obigen Schrankwand (zu der ich mich dann doch entschloß) später, jeden Tag über meine Entscheidung, denn die Sachen haben alles (bis auf wenige Spuren) mitgemacht und sie erinnern mich auch jeden Tag an den Satz meiner Oma (Gott hab sie selig!)...
Sicher, jeder muß schauen, wie er klarkommt und jeden Tag mit gutem Gefühl in den Spiegel schauen kann und Preise vergleichen schadet sicher nicht. Nur, wenn Billigkeit das einzige Kriterium zum Kauf ist, wird es immer billig bleiben und IST meist auch billig. Und man sollte eben auch beim Einkaufen schauen:
nicht immer ist Rabatt wirklich günstiger und nicht immer sind zum Beispiel große Packungen günstiger als kleine.
Und was habe ich davon, eine große Packung Zwiebeln zu kaufen, weil die große billiger ist (im Kilo-Preis), wenn mir die Zwiebeln vorher schlecht werden, weil ich gar nicht soviel brauche? Dann ist billiger trotzdem teurer! Hier kann man wirklich effizient sparen, indem ich nicht jeden Tinnef kaufe, nur weil er billig ist, dann kann ich die Leistungen, die ich in Anspruch nehmen möchte, auch angemessen bezahlen, sodaß ich mich daran erfreuen kann und gern dafür bezahle (weil ich selbst auch gern und angemessen bezahlt werden möchte).
Und es lohnt sich ein Blick auf den Hinweis „Made in...“
Letzt erfuhr ich, daß die Fußbälle, die Fußball-Vereine etc. nutzen, aus Pakistan kommen,
wo sie nur durch Kinderarbeit so günstig angeboten werden können. Ja hat denn die Bundesliga etc. so wenig Geld, daß man keine ohne Kinderarbeit und evtl. aus Deutschland bezahlen kann? Wo leben wir bloß? Die Herrn Fußballer kassieren Millionen, die Institutionen wollen sich alle an der WM bereichern mit Lizenzen etc. und für das Essentielle (den Ball) ist kein Geld da..?! Für die WM wurden ja aber nun Fußbälle aus FairTrade, also ohne Kinderarbeit geordert - wir großzügig! Und danach?
Ich denke, heutzutage sollte jeder einzelne dafür sorgen, daß man bestmöglich informiert ist,
nicht nur über das TV und große Printmedien, wo das Volk nur erfährt, was es wissen darf, um weiter aufgehetzt und in ihrem Jammern bestärkt zu werden, sondern aus solchen Portalen und Quellen, die tiefgründigeres und kritischeres Wissen weitergeben. Seit ich meinen FeedBuster (das ist ein FeedReader, mit dem man RSS-Nachrichten automatisch empfangen und lesen kann) besitze und mir etliche spannende Feeds abonniert habe (kostenlos), konnte ich vieles lesen, das mich echt sprachlos macht, wie z.B. die Meldung, daß ein Schweizer 1 Mio. SFr ausgesetzt hat, für denjenigen, der das H5N1-Virus nachweisen kann, auch im Foto. Ihr dachtet, das sei bereits nachgewiesen? Mitnichten, zumindest meines Wissens nach nicht zum Zeitpunkt dieses Artikels!
Aber soetwas erfährt man nur durch Eigen-Initiative. Und dann hat man die freie Wahl, was man daraus macht: auf die Barrikaden gehen, was nur den Blutdruck erhöht und nichts ändert (weil man die Menschen nicht ändern kann) oder eben etwas anderes suchen, mit dem man sich wohler fühlt. Und diese Wahl haben wir, JEDEN Tag auf‘s Neue.
In diesem Sinne bitte ich auch darum, eigenverantwortliche Schlüsse aus diesem Artikel zu ziehen und weiterzumachen wie bisher oder bewußter durchs Leben zu gehen - es ist an EUCH...
|
Bücher zum Thema finden sich in unserem Buch-Shop (powered by Amazon) |
© Copyright by Grit Hermann