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Last Update: 09.11

Gratisland Esoterikwelt
Über das Wertbewußtsein in der Esoterik-Szene

von Grit Hermann  ☼  Quelle: www.casita-del-sol.de/gratis.htm

Auszug aus CASITA DEL SOL Sonderheft
 

Hier wird aufgeräumt mit den Nehmer-Qualitäten vieler Mitmenschen, der Abgabe der Verantwortung dafür an andere sowie den in der Esoterik herrschenden Dogmen bzgl. bedingungslosem Geben. Meiner Meinung nach hat keiner das Recht, etwas als geschenkt zu erwarten und keiner sollte sich verpflichtet fühlen, schenken zu müssen, denn damit dient er/sie keinem wirklich...
 

Bevor dieser Artikel entstand, führte ich einige Gespräche mit ähnlich arbeitenden Menschen und wir alle kamen zu dem gleichen Ergebnis:

eigentlich sind zwar alle Menschen und alle Arbeit gleichwertig anzusehen, doch wenn es um die Bezahlung einer Dienstleistung im Esoterikbereich geht, so ist das offensichtlich recht schnell vergessen.

Niemand würde wohl auf die Idee kommen, z.B. einen Handwerker zu bestellen und dann von ihm zu erwarten, daß er für seine Arbeit keinen Lohn nimmt, z.B., weil ihm die Arbeit Freude macht und er einen Lebensinhalt darin gefunden hat. Doch kaum tauchen wir ein in den esoterischen Sektor oder auch nur in einen Beratungsbereich, gelten anscheinend andere Gesetze.

Da ist die Rede davon, daß man für eine solche Arbeit kein Geld nehmen darf (manch einer sieht es vielleicht auch nicht als Arbeit an

und kann sich nicht vorstellen, daß es einen sehr wohl anstrengt und auslaugt -nicht immer, aber doch recht häufig. Doch wenn es angeblich keine Arbeit und leicht ist, kann er/sie es ja auch selbst ausprobieren - vielleicht versteht er uns dann eher...), immer alles freiwillig und natürlich kostenlos geben sollte. Im Zweifelsfall werden einem mit dem Hinweis auf Christus' (kostenloses) Wirken noch so richtig Schuldgefühle eingeredet (auch wenn damals eine ganz andere Zeit und ganz andere Umstände herrschten).

Die Tatsache, daß dieser Mensch, der sich uns mit seiner vollen Zeit und Aufmerksamkeit widmet, uns seine liebevoll eigens dafür eingerichteten Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und gemeinsam mit uns nach Lösungsvorschlägen für immerhin UNSERE Probleme sucht, auch von irgendetwas leben muß, wird dabei völlig ignoriert.

Es wird nicht gesehen, wieviel er uns gibt, wieviel Chancen zum Erkennen, wieviel positive Kraft zu uns fließt

und wenn wir diese Chancen nicht nutzen, uns nicht öffnen können oder auch wollen, wird statt einer gewissen Dankbarkeit für die gezeigte Möglichkeit die Verantwortung dafür auch noch auf diesen Menschen projiziert. Wir sehen nur unser Bedürfnis, daß wir etwas haben wollen, nicht aber die Tatsache, daß wir dafür auch bereit sein sollten, etwas zu geben. Nicht umsonst steht im Laden auf allem ein Preis - so können wir in Ruhe entscheiden, ob wir bereit sind, für das, was wir gern hätten, den angeschlagenen Preis zu geben.

Warum ist das im Esoterikbereich anders? Da wird der Preis gedrückt (obwohl kein Notstand besteht, siehe hierzu auch der Artikel Teuer gespart), unsere Zeitschrift damals z.B. einfach wochen- oder monatelang ohne jeglichen Kommentar nicht bezahlt (schließlich dürfen wir für alles Verständnis haben, doch offensichtlich keiner für die Umstände, die sich aus solch unkollegialem Verhalten bei UNS ergeben), es werden Gratisexemplare geordert (obwohl bekannt ist, daß unsere ganze Arbeit daran ehrenamtlich ohne Sponsoring oder Werbung erfolgt und der Verkaufspreis lediglich die vorgestreckten Materialkosten deckt) oder davon ausgegangen, daß wir natürlich im Gegensatz zu allen anderen Anbietern für stundenlange Gespräche über persönliche Probleme per Telefon wie email kosten- und bedingungslos zur Verfügung stehen (schließlich gibt es ja sonst nichts zu tun!). Nachher heißt es dann noch, man hätte sich ja nur ausgetauscht (leider sehr einseitig, denn WIR hatten nichts davon, außer verlorener Zeit)...! Man stelle sich vor: alles das ist wirklich genau so passiert!

Natürlich sollte man gern und freiwillig geben, doch das geht umso leichter (ja ich wage sogar zu behaupten, daß es erst dann wirklich möglich wird), wenn die unmittelbaren Bedürfnisse, die jedem Menschen zustehen, gestillt sind (Recht auf Wohnung, Kleidung, Nahrung etc.). Oftmals gestehen die vorherrschenden Glaubensmuster über esoterisch arbeitende Menschen uns nicht einmal das zu - aber es kann doch wohl kaum der Sinn sein, daß man, obwohl man die Erfüllung in diesem Berufszweig spürt, sich irgendwo anders eine Arbeit ohne Spaß und Freude suchen muß, um dann denen, die es von uns erwarten, alles frei und kostenlos zu geben!!!

Sicher dürfen wir alle uns geschützt und in jeder Beziehung genährt fühlen und wenn wir dem Weg unseres Herzens folgen, werden wir von allem, das wir benötigen, immer genug zur Verfügung haben

das ist nicht der Punkt. Vielmehr geht es mir um das, was andere oft von uns erwarten - wir dürfen immer gern zuhören (manche Menschen wiederholen sich dabei nur allzugern, um so Aufmerksamkeit und Mitgefühl, also Energie von uns zu bekommen, da sie der Meinung sind, daß sie durch ihr Leid anerkennens- oder auch bedauernswert sind), dürfen zu jeder Zeit zur Verfügung stehen (auch wenn es feste Sprechzeiten gibt) und zu allem "Ja" sagen.

Ein erstes "Nein" erregt bereits irritierte Blicke

und wenn man darauf hinweist, wie anstrengend Energie- und auch Beratungsarbeit sein kann, wird wohl angenommen, daß wir es ja mittlerweile gewohnt sein sollten. Jedoch kommt kaum einer auf die Idee, einen Ausgleich von sich aus anzubieten.

Ich habe bisher nur wenige Menschen kennenlernen dürfen, für die ein Ausgleich wirklich selbstverständlich ist und die nicht nur die eigenen Bedürfnisse, sondern auch die des anderen sehen.

Manches Mal entsteht durch ein solch einseitiges Verhalten natürlich der Eindruck, daß unsere Arbeit als solche nicht wertgeschätzt wird und sehr oft, wenn man etwas nicht schätzt, gibt es einem auch nicht sehr viel. Wir verlangen um Gottes Willen keine Beifallsbekundungen für unsere Arbeit - wie viele andere auch geben wir das uns zur Zeit mögliche. Sicherlich ist vieles unvollständig und verbessernswert - das ist klar, doch es ist das zur Zeit Machbare.

Mein Vorschlag aus eigener Erfahrung wäre, daß man immer dann, wenn man die Dienste oder Hilfe anderer annimmt, VORHER diese Dinge wie Bezahlung oder nicht, wenn ja, wieviel und wofür regelt - das spart eine Menge Schmerz, Leid oder zumindest Mißverständnisse!

Natürlich kann man es sich auch leicht machen, indem man sagt: der andere wird sich schon melden, wenn es ihm zuviel wird -

doch: tut er es auch wirklich??? Haben wir da nicht als derjenige, der etwas in Anspruch nimmt, auch die Verantwortung, für Ausgleich zu sorgen? Wenn der andere nichts dafür haben möchte (es soll auch Menschen geben, die bei solchem Verhalten irritiert, ja fast beleidigt reagieren) - schön, aber vielleicht beziehen wir ihn dann in unsere Dankgebete mit ein oder schenken ihm einfach mal so eine Kleinigkeit oder sind zumindest dann da, wenn dieser Mensch einmal Hilfe braucht.

Meine Erfahrung ist, daß über solche Dinge viel zu wenig geredet wird und z.T. recht eigene, auch manchmal für mein Gefühl seltsame, weil fremde Ansichten bestehen; da ergeben sich Tauschhandel mit einem Stundenlohn von EUR 2,50 und Schlimmeres. Deshalb auch im eigenen Interesse: immer VORHER ansprechen, welche Vorstellungen man hat. Denn was sich manchmal auch ergeben kann, sind unschöne Gefühle und Bindungen wie: ich bin ... etwas schuldig, weil er damals ... für mich gemacht hat. Das sind dann Verstrickungen und Schnüre, die im Laufe der Jahre immer zäher werden. Natürlich, man kann zwar auch damit ein Leben in Freude führen, doch tief im Inneren nagt es und es wird nicht besser mit der Zeit...

Deshalb empfiehlt sich immer, solche Dinge nicht nur vorher anzusprechen, sondern auch zu erledigen, damit sich beide Seiten frei fühlen können.

Und für alle die, die meinen, man müßte alles verschenken - die sollten dann Leute finden, die das genauso sehen - denn jeder, der einem anderen etwas anbietet, was es auch immer sei, hat das Recht, sich seine Mühe oder den Wert vergüten oder zumindest ausgleichen zu lassen, auch in unserem Bereich. So ist zumindest meine Ansicht. Und wem eine Hilfe nichts wert ist, der braucht vielleicht auch nicht wirklich welche.

Genauso sollte jeder, der eine Dienstleistung (welcher Art auch immer) anbietet, sich überlegen, was ihm das wert ist und ob er und wenn ja, zu welchen Kompromissen bereit ist. Und wenn er zu keinen Kompromissen bereit ist (wofür er sich nicht rechtfertigen muß), so ist das völlig in Ordnung, denn zu jeder Dienstleistung gehören 2 Seiten: einer, der gibt und einer, der nimmt. Und wenn sich im Vorfeld ergibt, daß die Dienstleistung dem Inanspruchnehmenden zu teuer ist, so kann er zwar nach Sondertarifen fragen, darf aber nicht beleidigt sein, wenn es keine gibt, denn dazu besteht kein Recht!

Und der Anbieter seinerseits sollte frei und ohne Schuldgefühle schauen, ob es okay ist, wenn er weniger für sein Angebot bekommt und wenn die Antwort nicht ein "Ja" ohne Beigeschmack ist, ist ein klares "Nein" in jedem Fall ehrlicher. So zumindest meine Erfahrung, denn

keinem ist damit gedient, wenn wir die Bedürfnisse des anderen höher ansetzen als die eigenen.

Und manches Mal gibt ein "Nein" auch die Chance, daß der andere die Dinge selbst in den Griff bekommt, was er sich vielleicht so vorher nicht zugetraut hätte und so hätten wir unserem Gegenüber einen sehr viel größeren Dienst erwiesen als mit einem "Ja".

Wir sollten hier genauso wie bei allem anderen wirklich zu uns und unseren Bedürfnissen stehen und wenn wir von jemandem mal ein "Nein" bekommen oder unsere Dienstleistung bzw. Ware unserem Gegenüber zu teuer ist und wir deshalb den Auftrag nicht bekommen, so geht davon nicht die Welt unter, denn

wir können sicher sein, daß sich die Dinge entweder von allein klären oder sich eine sehr viel passendere Lösung findet, denn das Göttliche wirkt in jedem Bereich -

nur als Beispiel für das, was möglich ist: wir haben z.B. durch ein klares "Nein" zu einer Schrankkombination, die zwar unser Traum war, aber ganz klar unsere Grenzen gesprengt hätte, die Möglichkeit geschaffen, zu einem späteren Zeitpunkt genau den gleichen Schrank DM 5000,- günstiger bekommen, noch dazu in einem Laden, indem wir noch nie waren, mitten in der Provinz, wo in der Regel die Dinge eher teurer sind.... Und dieses Angebot bekamen wir, ohne den Preis zu drücken.

Wichtig ist, denke ich auch, nicht Dinge, die man eigentlich nicht möchte oder die für einen eigentlich nicht stimmen, nur des Geldes wegen (oder aus einem momentanen Mangel heraus) trotzdem zu tun. Meist ist diese Arbeit dann sehr viel anstrengender als sonst (weil wir es eigentlich nicht wollen), es ergeben sich ungeplante Komplikationen oder die Bezahlung bleibt aus - alles schon erlebt. Dann lieber den Mut haben, auf sein Herz zu hören und einfach zu WISSEN, daß sich dann etwas Besseres finden wird, denn

wir sind alle verbunden mit der Quelle.

Die Quelle ist reinste Energie und Geld ist nur eine Form dieser Energie genau wie Liebe und Freude und

wir können davon ausgehen, daß wir alle bekommen, was wir gerade brauchen, was immer das sein mag -

nur manchmal, gerade in Esoterik-Kreisen scheinen wir uns selbst auf dem Schlauch bzw. im Weg zu stehen, d.h. wir versagen uns, was uns zusteht. Damit kommen wir jedoch nicht weit und ebenso glaube ich nicht, daß wir damit einen besseren Platz im Himmel bekommen, weil wir ja „bessere“ bzw. asketischere Menschen waren.

Es ist an uns, Gottes Liebe in uns eintreten zu lassen, uns dafür zu öffnen und Gottes Liebe wie seine Schöpfung hat viele Gesichter, Geld ist nur eines davon...

Begrüßen wir es mit Freude und geben es weiter mit einem „schön, daß du da warst, grüß deine Brüder und Schwestern von mir und schick sie alle bei mir vorbei“ und schauen, was geschieht, denn Gott ist überall und in ALLEM....!

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