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Last Update: 09.11

Meine erste Demo
gegen eine Autobahn vor unserer Haustür (A39)

von Grit Hermann  ☼  Quelle: www.casita-del-sol.de/demo.htm

Auszug aus CASITA DEL SOL Sonderheft
 

Dieser Artikel ist keineswegs als Anregung zu blindem Aktivismus gedacht. Ebenso gehört er nicht in die Kategorie: wieder eine Chaotin mehr oder eine, die gegen alles ist. Ich bin keineswegs gegen alles, nur erlaube ich mir in allen Dingen, eine eigene Meinung zu haben - etwas, das in diesem Land und besonders in dieser Zeit immer öfter als vermeintliche „Gefahr“ betrachtet wird: eine selbst denkende, nicht so leicht manipulierbare Bürgerin, die ihre Meinung (immer öfter) offen ausspricht!

Ich bin dabei keine Befürworterin von Gewalt - es gibt immer andere Wege zur Lösung (Demo heißt aber nicht zwangsläufig Gewalt). Ebenso bin ich aber kein Freund stundenlanger Debatten, die zu nichts führen, außer, daß sie viel Zeit (also letztendlich Geld) kosten. Sicher ist ein vernünftiges Abwägen der Gründe für und gegen etwas wichtig, doch zumeist untermauern die logischen Argumente nur das, was man von Anfang an im Inneren dazu gespürt hat (Bauchgefühl).

Ich kann mich noch gut an viele fruchtlose Debatten in unserem damaligen sogenannten „Netzwerk“ erinnern, wo es allen Ernstes Diskussionen darum gab, ob nach Jahren der Zeitschriftsarbeit mit irgendwelchen softwaretechnischen Provisorien (jedesmal zulasten meiner Zeit, Freude & Energie, da von den anderen nicht viel Einsatz kam) endlich vernünftige (= zeitsparende + freudemachende) Software angeschafft wird, ebenso eine Schneidemaschine (Frage im Netzwerk: müssen denn die Hefte geschnitten werden? - 52 Seiten sähen dann aus wie abgefressen...) - sowas macht einfach keinen Spaß! Mit ein Grund, warum ich diese „One-Man-Show“ (= einer gibt, die anderen stecken ein) damals nach Jahren endlich aufgelöst habe. Ein Mitglied meinte damals allen Ernstes, es müsse die Gruppe verlassen, weil das Netzwerk besagtes Mitglied nicht genug erdet! Als ob das die Aufgabe eines Netzwerkes wäre!!! Erden kommt vom Tun, vom Selbermachen, vom Aktivwerden und nicht vom Fordern, ohne wirklich bereit zu sein, selbst seinen Beitrag einzubringen! Womit wir wieder beim Thema wären.

Scheinbar gibt es nur zwei Sorten Menschen: die da „oben“, die Macher oder die die Macht haben, wobei das die Regierung sein kann wie der eigene Chef. Dann gibt es da noch die Opfer (wobei sich denke ich jeder von uns dann und wann hier wiederfindet, nur sollte es nicht zur Gewohnheit werden und nicht bei dem, was uns am Herzen liegt), die Machtlosen, die immer schön geschmeidig gehalten werden (mit Speck fängt man Mäuse), aber nicht zuviel, sonst werden sie zu mächtig und durchschauen möglicherweise das Spiel.

Erlauben sich einige davon, aufzustehen, so werden andere Mittel aufgefahren: unfaire Berichterstattung oder auch gar keine, wenn man die falsche Meinung hat - alles so passiert in unserer Gegend, die mitten im sogenannten Suchkorridor für das seit langem unsinnigste Projekt liegt, den Bau einer von unserer Gegend nicht gewünschten (über 8000 Unterschriften dagegen) und unnötigen Autobahn A39, die Hamburg mit Wolfsburg verbinden soll (da es aber darum gar nicht geht, steht in den Unterlagen etwas von einer Transitstrecke, die die Ostsee mit den neuen Bundesländern wie den EU-Oststaaten verbindet - damit die Billiglohnländer uns noch mehr überschwemmen und der (T)Euro sich noch mehr ausbreiten kann). Es wird mit fadenscheinigen Argumenten aufgewartet im Stile von: Autobahnen senken die Arbeitslosigkeit. Da die Ostfirmen billiger sind (geringere Löhne) - welche Arbeitsplätze werden da geschaffen und wie lange, z.B. für den Bau der Autobahn...? Als Firmen wie BMW expandieren wollten, war die Tatsache, ob eine Autobahnanbindung vorhanden ist (für Zulieferer), nicht relevant. Viel interessanter waren die Subventionen des Staates, die es für Industrieansiedlung in den neuen Bundesländern gibt!

Ein weiteres Argument: die ländliche Region hätte damit weniger Verkehrsaufkommen - ein toller Witz! Wie kommt man denn bitte auf die Autobahn?! Zudem sind die Abfahrten nicht in jeder Ortschaft: Äcker, Gärten, Flure, Landschaften werden zerschnitten, denn Abfahrten, Brücken und ähnliches - all das kostet Geld. Ebenso der Lärmschutz für Betroffene: bei einer Autobahn, die 700 (!!!) nicht vorhandene Millionen Euro kosten soll, ein nicht unwesentlicher Faktor, an dem gut und vor allem gern gespart wird!

Früher, als ich noch auf Mallorca war und mein Mann in fünf oder mehr Jahren nachkommen wollte, dachte ich so: super, Autobahn kommt, Haus weg, Schulden weg, Verpflichtungen weg und Geld für einen Neuanfang im Süden (die Autobahn wäre uns dann egal, weil wir nicht mehr in Deutschland wären) - Pustekuchen! Nur das, was für die Autobahn benötigt wird (100 m breite Trasse) wird vom Staat enteignet (bei Äckern gibt es pro m² etwa EUR 1,50!), den Rest samt Lärm, Dreck, Abgasen darf man gern behalten! In der Nähe von Evendorf an der A 7 von Hamburg nach Hannover kann man zwischen Hörpel und Döhle sehen, wie sich die Autobahn stellenweise wirklich (offizielle Formulierung) „an die vorhandene Bebauung anschmiegt“ - sprich, am Grundstück entlang führt...

Mittlerweile möchte ich die Reize der Gegend, die ich nun, nach fast 17 Jahren des Hierseins (mit einigen Unterbrechungen) erst zu schätzen beginne, insbesondere für meine Massage- & Wohlfühl-Oase, nicht mehr missen - klar.

Ein weiteres, meines Erachtens völlig unlogisches Argument der A39-Befürworter: die Gegend hätte weniger Abgas-Belastung, aber was kommt denn bitte mit der Autobahn? Wohl noch mehr Verkehr = mehr Abgase. Und keiner fährt da lang, um sich alle Dörfer an der Strecke anzuschauen und deren Wirtschaft anzukurbeln. Weg, weiter möchte man auf der Autobahn, schnell von A nach B.

Ebenso heißt es, es würde weniger Unfälle auf den Dorfstraßen geben - das mag sein (da diese Straßen allerdings nachwievor befahren werden müssen, um zur Autobahn zu gelangen, halte ich das für nicht zutreffend) - dafür sind es dann auf der hiesigen geplanten A39 garantiert (bei den Geschwindigkeiten) gleich Tote oder zumindest Schwerverletzte und mit Sicherheit, wenn es kracht, mehr Beteiligte (unter anderem durch Auffahrunfälle z.B. bei Stau) als bei dem geringen Verkehraufkommen in einem Dorf.... Erst gestern gab es an einem Tag in der Region Brandenburg fünf schwere Unfälle auf der Autobahn mit mehreren Toten und Schwerverletzten und das war nur ein einziger Tag!

Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen: wenn man darüber nachdenkt, daß laut Bund der Steuerzahler (Stand 1.02.2004, 0 Uhr) der Staat Deutschland in jeder Sekunde (!!!) 2.186 Euro Schuldenzuwachs verbucht (die Staats-Verschuldung bereits bei 1 Bill. 335 Mrd. 816 Mio. 479 Tausend 416 Euro liegt), wieso wird so ein Projekt (Stabilitätspakt hin oder her, den Deutschland durch die neuerliche Schuldenmacherei gefährdet, wobei die Frage ist, ob es ein Vor- oder Nachteil ist, in der EU zu sein), das von den Betroffenen unerwünscht ist (von anderen logischen Argumenten gegen eine unlogische Autobahn einmal ganz abgesehen), überhaupt in Betracht gezogen? Und vor allem: welche, nicht nur den betroffenen Menschen dieser Region wichtigen Belange bzw. Projekte werden dafür einfach ohne Nachfrage gestrichen? Was wird noch gekürzt/gestrichen, damit wir etwas bekommen, was wir gar nicht wollen (der Staat sollte sich doch eigentlich freuen, wenn der Bürger etwas NICHT benötigt, anstatt beleidigt zu sein, daß dieses „tolle Geschenk“ vom Bürger nicht begeistert aufgenommen wird, denn so wird viel Geld gespart)?!

Ach ja, Kanzler Schröder (zufällig im Aufsichtsrat von VW und nicht umsonst als Autokanzler verschrien - leider tut er trotzdem nichts gegen die stetig steigenden Benzinpreise, die schon lange nichts mehr mit dem Rohölpreis zu tun haben, eher mit den Amis, die Vorräte bunkern, als ob‘s morgen nichts mehr gibt. Aber wenn‘s nur das wäre: woher wissen die Amis, wann hier Ferien/Feiertage sind? Denn mit peinlicher Regelmäßigkeit steigen jedes Jahr die Preise zu Feiertagen/Ferien - alles Zufall?! Die Steuern werden auch nicht gesenkt, Fazit: die Leute fahren weniger - das reißt, haben tatsächlich auch die Politiker schon gemerkt, ein Loch in die schon leere Kasse...) hat VW eine Autobahn versprochen... Stimmt. Deshalb baut VW auch eigene Lagerkapazitäten aus, damit nicht mehr soviel transportiert werden muß... Das macht Sinn... Die geplante Autobahn soll wohl nun für alles herhalten und den Bockmist dieser Regierung wie den noch größeren der Vorgängerpartei ausgleichen: Arbeitslose, stagnierende Wirtschaft (u.a. durch zu hohe Lohnnebenkosten) etc. Das muß sich dann bei dieser Autobahn um ein Wunderwerk handeln, wenn sie das alles zu ändern vermag...!

Wir fühlen uns in der betroffenen Region jedenfalls mehr als verkohlt, denn es gäbe noch mehr hirnrissige Argumente, die die Befürworter sich scheinbar aus den Rippen schneiden. Und es gibt haufenweise Fakten, wo Institutionen, die eigentlich per Gesetz neutral und objektiv zu sein haben, eben dieses genau nicht sind, von Bürgermeistern, Verwaltungsbehörden, der Tagespresse bis hin zu Handelskammern und höheren Einrichtungen (mehr Infos hierzu auf www.keine-a39.de - aber Vorsicht: Adresse richtig eingeben, denn unter keinea39.de finden sich Befürworter - da haben wohl Mitglieder der Jungen Union Uelzen, die die Seite herausgeben, Angst, daß es zuviele Gegner werden...).

Das alles macht mehr als wütend. Aber das allein ändert nichts - es führt dazu, entweder resigniert die Hände in den Schoß zu legen und die Hoffnung auf die nächste Wahl zu verschieben (zu der man dann u.U. noch nicht mal hingeht) oder aber, seinen Unmut auszudrücken und die Macht, die wir sehr wohl haben (Wer ist denn der Staat? WIR!), zu bündeln in Form einer Bürger-Initiative (die Grünen fingen einmal genauso an!), die ihr Anliegen bis nach ganz oben trägt und die dann die immernoch mit großen Augen auf dem Sofa verharrenden Opfer-Mitbürger informiert.

Genauso geschah es, just kurz nachdem ich von Mallorca zurückkam. Seitdem haben wir vieles auf die Beine gestellt, Leute getroffen, Informationen ausgetauscht und vieles mehr. Unser Dorf, das mich früher immer erstickt hat, mir wie scheintot vorkam, fing plötzlich an, zu leben. Die 110 Einwohner haben sich zusammen getan, sind näher gerückt und unterstützen sich gegenseitig zugunsten einer gemeinsamen Zukunft in einer heilen, idyllischen Umgebung. Nur 6 Einwohner haben sich nicht mit einer Unterschrift beteiligt - eine so hohe Übereinstimmung gab es in keinem Nachbardorf!

Doch es gibt nicht nur unsere BI. Auch andere Orte und Interessengruppen begannen, sich zu organisieren, sodaß es im Mai 22, im Juni 2004 bereits 28 Bürger-Initiativen gab und einen Dachverband. Ziel der Aktivitäten war erstmal eine Großdemo am 15. Mai in Lüneburg, bei der Argumente vorgetragen wurden zusammen mit einer Treckerdemo, Live-Musik, Infoständen der betroffenen Regionen. Wir hatten eine große Fotocollage auf Holz gefertigt, die die Schönheit unserer Region zeigt sowie alle 11 in diesem Ort ansässigen Unternehmen (auch hier zeigt sich das große Engagement und die Eigenverantwortung: auf 110 Einwohner 11 Unternehmen!).

Ein Tischler aus dem Nachbardorf hatte aus Holz Ortsschilder nachgebildet, verziert mit den „Keine A39-Aufklebern“ des Dachverbands - das eine Schild für den Ort Altenmedingen (aus dem, soweit ich weiß, nur eine Person zur Demo kam), das andere für den Ort, mit dem alles angefangen hatte: Aljarn (Bohndorf, Eddelstorf). Mit den Schildern beladen zogen wir vor das Arbeitsamt, den vereinbarten Treffpunkt.

Wir waren zu früh, da wir mit großem Aufgebot rechneten, aber es waren bisher nur 2 Erwachsene und 1 Kind da. Ich dachte mir schon: oh je, wieder so ein Flop (da ich in der letzten Zeit schon einige schlecht organisierte Veranstaltungen erlebt hatte, wobei es nicht um die A39 ging). Aber kurz darauf traf die erste Polizei ein und mir kamen Gedanken wie: mach ich mich jetzt u.U. strafbar (soweit sind wir in Deutschland, daß man sich beim Recht auf freie Meinungsäußerung solche Fragen stellt...)? Natürlich nicht, denn ich wußte, daß alles vom Ordnungsamt genehmigt war und doch war da ein komisches, altbekanntes Gefühl: allein auf weiter Flur mit meiner Meinung und gleichsam leicht einzuschüchtern durch Macht-/Staatspräsenz...

Doch je mehr „Fußvolk“ kam mit Schildern, selbst gemachten T-Shirts und anderem, umso „sicherer“ fühlte ich mich und auch das Gefühl, das einen selbst in einer BI dann und wann befallen kann, wenn einen wieder neue Hiobsbotschaften erreichen, eh nichts beschicken zu können, schwand. Leute, die man nicht kannte, bildeten zusammen eine Art Einheit. Man tauschte sich aus, verband sich zu einem Ganzen, mit ein und demselben Wunsch im Herzen, die Heimat vor diesem Wahnsinn zu bewahren.

Höhepunkt für mich persönlich war der Treckerkorso. Man stelle sich vor: über 80 Trecker, z.T. bereits 30 km im Konvoi unterwegs zum Treffpunkt fahren am vereinbarten Treffpunkt vor: jeder geschmückt und beschriftet mit dem, was dem Besitzer und seiner Familie am Herzen liegt. Dies alles begleitet von üppigem Kamera- und Filmaufgebot. Das war so atemberaubend, soviele engagierte Menschen mit einem einzigen Ziel zu sehen, daß ich danach zu einem BI-Mitglied sagte: ich glaube, jeder sollte irgendwann in seinem Leben einmal auf einer Demo gewesen sein (natürlich nicht, um Krawall zu machen) - das ist so ein starkes bewegendes und verbindendes Gefühl, einfach unbeschreiblich...

Der Zug mit allen Leuten, Plakaten und Schildern ging quer durch die Altstadt mit ihren noch geöffneten Geschäften hin zum Marktplatz, wo es eine Bühne gab und einige Stände. Es folgte ein Vortrag zum Thema, auch für die anwesende Presse, es wurden Interviews geführt und es folgte LiveMusik sowie eine Zeremonie, die sich der Dachverband ausgedacht hatte. Ganz im Sinne von Asterix brachte jede BI eine Zutat aus ihrer Region mit, die in einen Topf gegeben wurde, damit daraus ein Zaubertrank entsteht, der der Regierung dann bei der nächsten anstehenden Entscheidungsstufe übergeben werden soll. Unsere BI steuerte Pilze bei als Symbol für den wie Pilze aus dem Boden schießenden Widerstand...

Insgesamt war es eine Veranstaltung, die sich auf jeden Fall gelohnt hat - sogar die ZDF-Sendung Frontal21 filmte (die über viele brisante Themen sachlich und offen berichtet) und brachte nach einigen Verzögerungen Monate später einen Bericht zu diesem unsinnigen Projekt A39 (wie anderen, ähnlich gelagerten Fällen in Deutschland). Und die große Menschenmenge auf dem Marktplatz sprach ebenfalls eine deutliche Sprache, sodaß viele Radio-Sender in den darauf folgenden Tagen über die Veranstaltung positiv berichteten. Wollen wir hoffen, daß es so weitergeht, denn es kann noch dauern, bis es konkret wird, doch jede Stufe innerhalb des Prozesses, die einfach widerstandslos hingenommen wird, beschleunigt das Projekt, indem unsere Gegend in diesem Suchkorridor weiterhin als „konfliktarm“ eingestuft wird und so wird es sicher noch öfter vonnöten sein, unsere Kräfte zu bündeln.

Schön wäre auch, wenn die ältere Generation, die es scheinbar gewöhnt ist, die Dinge hinzunehmen, sie zu ertragen und daran täglich still oder laut zu leiden, erkennt, daß sie es selbst in der Hand hat und endlich mal AKTIV wird, denn auch zu deren Zeit gab es schon den Spruch: von nichts kommt nichts!

Daß ich das ganze Geschehen mit Energiearbeit und Visualisationen entsprechend „bearbeitet“ habe, versteht sich von selbst, doch für ein solches Geschehen braucht es sicher mehrere „Behandlungen“ oder besser mehrere „Behandler“. Wer sich also beim Lesen dazu berufen fühlt, schicke Schutz und Liebe in unsere Gegend oder Kraft für unsere Arbeit oder Erkenntnis nach Berlin - das kann sicher nicht schaden. Wobei es natürlich ganz klar Gegenden, Länder, Kontinente wie die Erde als Ganzes gibt, die sicher noch mehr unserer Hilfe bedürfen - allerdings sollten wir den Blick nicht immer so weit nach außen lenken, sondern mit der „Welt“ vor unserer Haustür beginnen, denn das ist der Spiegel des Ganzen. Von daher kommt es auch dem Ganzen zu gute, hier etwas Harmonisierendes zu tun.

Für die Dorfgemeinschaft hat es auf jeden Fall etwas gebracht: nicht nur, daß ich plötzlich anfange, mich endlich zu Hause zu fühlen, sondern auch untereinander. So hatten mehrere Mitglieder unserer BI unabhängig voneinander die Idee, ein Dorffest zu veranstalten, wo man z.B. die Unternehmen vorstellt, aber auch mit Essen, Tanz und Infos - eine Tradition, die es wohl einmal vor 20 Jahren gab...

So gesehen, egal, was auch immer kommen wird, hat der ganze Prozeß des Sichwehrens nicht nur auf der politischen Ebene gezeigt, daß man uns nicht einfach überfahren kann, sondern das Zwischenmenschliche profitiert schon jetzt jeden Tag davon - es hat förmlich ein Dorf samt seiner Bewohner aus dem Schlaf geweckt und dieses kann nur förderlich sein!

Möge ein jeder einstehen für das, was ihm kostbar ist und am Herzen liegt. Keine falsche Schüchternheit mehr, keine runtergeschluckte Unzufriedenheit, keine Passivität, die nur zu Negativität führt. Mir fällt die Werbung der Kneipe Pupasch ein: runter vom Sofa, rein in die Kneipe - na ja, vielleicht nicht gerade in die Kneipe, aber raus in die Natur oder in Dein Inneres, in die Tat, wo auch immer - lebe Dich, genieße Dich - freue Dich - lebe Deine Kraft!
 

NACHTRAG:

In der Zwischenzeit hat die Planungsbehörde ihre angedachte Route vorgestellt und was soll ich sagen? Dort, wo der Widerstand am geringsten war, dort, wo die Leute dachten, daß SIE ja verschont werden würden und die ganze Debatte doch völlig irrelevant ist (weil sie schließlich nicht betroffen sind und ihr Bauland damals als sinngemäß ruhig betitelt wurde), soll nun die A39 lang gehen: also Terrasse mit Autobahn-Blick.... Und da sage einer, daß Widerstand sich nicht auszahlt!!!

Die angedachte Strecke soll auch durch einen kunsthistorisch schönen älteren Stadtteil Lüneburgs gehen, man könnte fast sagen: mitten durch die Stadt... Warum? Weil der Bürgermeister „hier“ gerufen hat, als es um die Trassenfindung der Autobahn ging - schließlich wollte er mit der A39 etwas für seine Bürger sowie die immer wieder gern zitierte Wirtschaft der Region tun (dabei liegt Lüneburg bereits an der Autobahn nach Hamburg und seitdem hat sich die Wirtschaft kein bißchen verändert!). Als er nun aber mit Entsetzen die Trasse in der Zeitung sah, war er von seiner Wunscherfüllung schockiert: SO sollte es dann doch nicht aussehen! Und ab dem Tag wohl beschloß er nun, von Anfang an dagegen gewesen zu sein... Man passe auf mit dem, was man sich wünscht, denn es könnte in Erfüllung gehen!

Es ging soweit, daß er zu der Eröffnung einer örtlichen Umweltmesse, bei der ihn einige Mitglieder des Dachverbands wie der Bürger-Initiativen sicher zu seinem wandelbaren Gemüt befragt hätten, gleich gar nicht erst erschien... Auch eine Art, seine Form der Politik zum Ausdruck zu bringen, wie ich finde!

© Copyright by Grit Hermann (2004, aktualisiert)

Kontakt zu Eckehard Niemann,
Dipl. Ing. agr., Sprecher der Bürger-Initiativen
wie des Dachverbands gegen die A39: eckehard.niemann@freenet.de
 

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