Casita del Sol bei Xing besuchen
 
© copyright, layout & design by Grit Hermann · Casita del Sol

 

 

Last Update: 09.11

Co-Abhängigkeit - die heimliche Sucht
Über wen oder was definiere ich mich?

von Grit Hermann  ☼  Quelle: www.casita-del-sol.de/coabhg.htm

Auszug aus CASITA DEL SOL Sonderheft
 

Hinweis: dieser Artikel kann und will dem Leser nicht raten, was er tun oder gar unterlassen soll, denn jeder ist für sich wie sein Tun selbst verantwortlich. Grundsätzlich bei ALLEN physischen/psychischen Beschwerden empfehlen wir das Konsultieren eines Arztes oder Psychotherapeuten. Somit ist der folgende Artikel lediglich als zutiefst persönlicher Erfahrungsbericht zu sehen! Weitere rechtliche Hinweise unter Nutzungsbedingungen.
 

Co-Abhängigkeit ist eine Sucht, die viele ohne ihr Wissen betrifft. Die Frage bei allem ist: über WEN oder WAS definiere ich mich? Mache ich mein Tun/Sein abhängig von anderen oder lebe ich mich wirklich selbst?

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wann mir das Wort Co-Abhängigkeit zuerst begegnete: es war in den 90er Jahren am Rande eines Seminars. Ich habe damals nicht so ganz verstanden, warum z.B. Angehörige eines Alkoholikers co-abhängig sein sollen, also angeblich über den Abhängigen ihre (zumeist unbewußte) Sucht mit ausleben. Das Thema war mir so fremd, daß ich es schnell wieder vergaß (oder vielleicht auch vergessen wollte) - kein Wunder, habe ich es doch selbst damals nicht recht mitbekommen und wollte es wie der Rest der Familie nicht wahrhaben, daß meine eigene Mutter (in der Zwischenzeit trockene) Alkoholikerin ist. Wer ebenfalls einen Abhängigen (von was auch immer) in seinem Verwandten- oder Bekanntenkreis hat, weiß sicher nur zu gut, durch welche Höllen man geht...!

Hinzu kam bei mir, daß das alles in meiner Kindheit begann und ich von all diesen Dingen nichts wußte - wie auch? Ich war Kind und hätte Liebe gebraucht, Nähe, Verständnis, Wärme, aber...

Meine Kindheit hat in mir soetwas wie ein schwarzes Loch hinterlassen,

etwas, das man besser schnell vergißt, zu tief sitzt der Schmerz und die Verletzungen wie die Glaubensmuster, daß mit MIR etwas nicht stimmen muß, wenn ich so behandelt werde (erst heute, mit fast 40 Jahren befreie ich mich von diesen Altlasten mehr und mehr)...

In der Pubertät kam irgendwann der Punkt, wo ich einfach nur noch froh war, meine Ruhe zu haben und mir nichts anhören zu müssen - ich hatte es aufgegeben, zu fragen, wenn ich etwas brauchte (die Antwort kannte ich bereits) und auf Verständnis hoffte ich schon lange nicht mehr... Dafür ging ich dann zu meiner Oma, die immer ein offenes Ohr hatte und nicht selten Streit geschlichtet und meine Partei ergriffen hat, wenn es zu arg wurde. Ich glaube, wenn es meine beiden Omas nicht gegeben hätte, wäre ich heute nicht hier - ich habe ihnen den Halt zu verdanken, der es mir ermöglichte, meinen Weg weiterzugehen, wenn auch voller Blockaden und Fragen...

Aber ich hätte damals nie gedacht, daß meine Mutter abhängig ist!

Erst später, als ich älter wurde, bekam ich einiges mit, was meiner Meinung nach definitiv nicht „normal“ sein konnte und damit ging das Dilemma erst richtig los (zu der Zeit war ich bereits ausgezogen und lebte bei meinem heutigen Mann)...

Ich würde sogar behaupten, daß es nichts Schlimmeres gibt, als zusehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch sich selbst ruiniert. Man steht daneben, argumentiert, schickt Energien, gibt alles, was man hat, doch solange der Betroffene die Lage selbst nicht erkannt und sich für Hilfe geöffnet hat, nützen die besten Absichten nichts (das gilt natürlich nicht nur für Abhängige, sondern auch für Kranke bzw. Menschen mit Problemen allgemein).

Genau hier fängt die Co-Abhängigkeit an - das Denken, für diesen Zustand oder seine Heilung verantwortlich zu sein.

Je mehr Wissen man im medizinisch-psychologischen Bereich hat, umso schwieriger wird es, einfach im Vertrauen loszulassen. Da wird stundenlang versucht, auf diesen Menschen einzureden (sicherlich mit guter Absicht), doch die Energie verpufft - die daraus resultierende Erschöpfung ist oft größer als nach einer 40-Std.-Woche... Da wird mit Reiki oder anderem behandelt, Bücher werden gewälzt, entsprechende Stellen angerufen; von früh bis spät steht der Abhängige bzw. unsere Sorge um ihn im Vordergrund. Anfangs mag der Abhängige die vermehrte Aufmerksamkeit (die er evtl. vorher nicht bekam) genießen, doch zunehmend spürt er Druck und Kontrolle dahinter und die Wahrscheinlichkeit, daß er sich entzieht, indem er genau das Gegenteil tut, nimmt langsam zu.

Als Betroffene stehen wir dann völlig verzweifelt da und sagen: aber er MUß doch sehen, daß es nicht gut für ihn ist,

was er sich und uns damit antut. Das tut er in der Regel nicht - einen Raucher bewegt man auch nicht zum Aufhören, indem man ihm erzählt, wie schädlich es ist.

Schauen wir genauer, so tun WIR einzig und allein UNS etwas an, denn WIR wollen dem Abhängigen oder Kranken erzählen, was richtig und falsch ist. Wir sprechen ihm ab, daß er die gleiche göttliche Weisheit in sich besitzt, die gleiche Führung, die mit Sicherheit dann, wenn es sein soll und für IHN richtig ist, eingreifen wird (ich meine damit nicht, daß wir uns nicht kümmern bzw. Hilfe anbieten sollen, doch der Betroffene entscheidet, ob ER das will).

Wir sagen, der Abhängige tut UNS damit etwas an - aber was tun WIR uns mit solchem Handeln an? Wir vergessen uns selbst völlig, richten unser ganzes Leben nach diesem Menschen aus, um uns zu kümmern, "aufzupassen" etc. Sind wir erschöpft, kommt irgendwann der Punkt, wo das Maß voll ist und wir dem Abhängigen die Schuld dafür geben, dabei sind WIR es, die nicht vertrauen, nicht loslassen können und vor allem WOLLEN. Meist wird einem dieser Einsatz auch nicht gedankt, da er vom Abhängigen in dieser massiven Form zumeist ungebeten stattfindet -

doch der Gedanke, daß wir dies tun müssen und sollen, daß es unsere "Aufgabe" ist, treibt uns immer weiter an.

Schaue ich mir den Einsatz von damals an, so war er gewaltig - das Ergebnis dagegen dürftig bis gar nicht von Bedeutung. Das einzige, was meine Mutter danach sagte, war: „Na wenn ihr meint, dann mach ich das mal (für euch).“ Sprach's und der Rückfall ließ nicht lang auf sich warten. Es ging bis ins Krankenhaus mit Halluzinationen, Alkoholvergiftung...

Was dann den Ausschlag zu ihrem Erwachen gab, war die Tatsache, daß ihr Arbeitgeber mit Kündigung drohte. Und sie wußte, wenn der Job, der ihr Halt gab, nicht mehr wäre, wäre auch sie bald nicht mehr... Das ist nun weit über 10 Jahre her und seitdem (1993) ist sie trocken - Gott sei Dank! Sie mußte erst soweit unten sein, um an diesen Punkt zu kommen - aber egal, ob uns das gefiel, es war IHRE Wahl und jede andere hätte sie sicherlich niemals solange trocken werden und bleiben lassen...

Wieviel dies mit dem Hier & Jetzt zu tun hatte, wurde mir erst klar, als ich vor einigen Jahren zur Bearbeitung von Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen, Mangeldenken etc. zu einer Therapeutin in Schleswig-Holstein fand. Bereits nach kurzer Zeit wurde klar, daß ich co-abhängig war - wieder dieses mysteriöse Wort (diesmal verstand ich es - zu offensichtlich waren die Symptome). Es schien mein ganzes bisheriges Leben auszumachen und bestimmte mich.

Deshalb fühlte ich mich seit Monaten wie ausgebrannt, zog immer wieder Menschen an, die mich ausnutzen, leermachten, meine Arbeit nicht zu schätzen wußten etc.

- kein Wunder, denn ich lebte nur im Außen. Gerade ich, die immer so darauf bedacht war, im Innen zu schauen und von dort aus zu leben...

Bei anderen fiel es mir leicht, oft mit einem Blick die größeren Zusammenhänge zu erkennen, ebenso die Beweggründe im Inneren (ob jemand wirklich eine Besserung wünscht, sich evtl. nur selbst etwas vormacht oder es anderen zuliebe macht). Doch bei mir....

Dann sind da noch die antrainierten Dogmen aus Lichtarbeiterkreisen (wo gerade sie immer frei von sein wollen) mit ihrem "Ich muß alle retten und allen helfen"

(denn schließlich weiß ich es ja besser - ich habe es ja auf ...-Seminar oder von Meister ... gelernt). So kommt es m.E. zu völligen Fehlinterpretationen von Spiritualität und z.B. östlichen Lehren von Selbstlosigkeit/Enthaltsamkeit: Man begibt sich auf einen steinigen Märtyrerweg, gesalbte Worte von Bedingungs- und Erwartungslosigkeit sowie falsch verstandener Liebe von sich gebend. Verstanden haben wir dabei nichts, denn solange wir nicht gelernt haben, uns selbst in unserer Ganzheit anzunehmen, werden wir niemals jemandem wirklich helfen können denn wir verstehen das menschliche Denken und Handeln nicht. Wir bemessen die Welt nur nach unseren Maßstäben, den Blick immer schön nach außen gerichtet, damit wir nicht merken, wir oft wir die eigenen "Gesetze" verletzen, wie oft wir anderen "schlaue" Ratschläge geben, die eigentlich uns selbst gelten sollten...

Erlauben wir uns dann, einen freien, uns gemäßen Weg zu wählen, kommen wiederum "schlaue" Einwände von außen (in Wahrheit ja nur Spiegel für Einwände IN uns) und die Schuldgefühle, die uns immer schön im Schneckenhaus halten und unser wahres Selbst verstecken wollen, melden sich sofort zu Wort und begrenzen die gerade gewonnene Freiheit. Fatal!

Es laufen so viele Automatismen in uns, daß wir uns ihnen oftmals gar nicht bewußt sind. Dafür gibt es dann den Spiegel im Außen, der jedoch oft nur so interpretiert wird, daß die Welt einen eben nicht versteht, keiner für einen da ist und schon sind wir im nächsten typisch co-abhängigen Zustand: dem Opferbewußtsein.

Es liegt einzig und allein an uns, die Dinge zu ändern und keiner hat das Recht, Dinge zum Beispiel von uns zu verlangen, die wir eigentlich nicht wollen. Aber

weil wir denken, der andere ist wichtiger mit seinem Anliegen als wir (schließlich soll man ja immer schön selbstlos sein)

tun wir es trotzdem, weil wir genau die Bedürfnisse und Erwartungen des anderen spüren. Da es uns lieber ist, uns selbst als andere zu enttäuschen, ist klar, wie das Spiel ausgeht.... Scheinbar ungerecht daran ist, daß der andere noch nicht mal dankbar für unser "großartiges Opfer" ist, denn zwischen den Zeilen kommt das "eigentlich wollt ich es aber nicht oder nicht gern" mit rüber.

Wer kennt sie nicht - Geschenke, die z.B. aus Verpflichtung gekauft werden.

Können wir uns darüber so richtig freuen...? Eigentlich nicht, oder? Da wäre es manchmal besser, gar keines zu bekommen, denn so wären wir nicht in der Zwickmühle, irgendwie darauf reagieren zu müssen (da ja vom anderen ein Dank erwartet wird angesichts des Opfers, das er für uns brachte). Genau in der gleichen Lage befindet sich unser Gegenüber, wenn wir etwas für ihn tun, das sich aus welchem Grund auch immer für uns nicht richtig anfühlt oder wir einfach nicht tun möchten.

Während meiner Therapiesitzungen sowie bei der Lektüre des zu diesem Thema empfohlenen Buches (siehe Artikelende - kann ich wirklich nur empfehlen!) wurde mir immer klarer, daß man wirklich in allen Bereichen co-abhängig reagieren kann. Ich fragte mich, wie man das alles auf einen Nenner bringen könnte und bekam ganz klar:

Um herauszufinden, ob ich co-abhängig bin oder nicht, brauche ich mir nur die Frage zu stellen: Über wen oder was definiere ich mich?

Plötzlich fielen mir noch mehr Co-Abhängigkeiten ein: eine Mutter, die nur für und durch ihre Kinder lebt, krankhafte Eifersucht, Workaholics etc. Vor Jahren z.B., wenn eine Sitzung nicht so verlaufen war, wie der Klient und ich es erhofft hatten - was geschah? Ich begann sofort, an mir zu zweifeln, obwohl es tausend Gründe geben kann, begonnen dabei, daß man in 1. Linie Instrument und nicht aktiver Part ist bei der Energiearbeit. Es gibt immer eine höhere Instanz, die entscheidet, ob Genesung geschehen darf oder nicht. Als Co-Abhängiger sieht man das als letzte aller möglichen Varianten. Man findet immer wieder Gründe, warum man versagt zu haben scheint, was man hätte besser tun können etc.

Natürlich kann solches Verhalten auf lange Sicht zu anderen Abhängigkeiten führen oder umgekehrt beginnt ein trockener Alkoholiker evtl., sich überbesorgt um andere zu kümmern und vernachlässigt sich selbst dabei wie zuvor beim Alkohol. Genau genommen ist der Alkoholiker gleichzeitig auch co-abhängig im Sinne der Definition, denn der Alkohol bestimmt über sein Leben.

Bei genauerem Überlegen kam mir der Verdacht, daß nicht nur, wie im Buch von Melody Beattie geschrieben, etwa jeder zweite, sondern eigentlich fast jeder co-abhängig ist, denn

dieses bedeutet schlicht, sein Tun und Reagieren nach anderen Menschen, ihren Meinungen und Vorgaben zu richten.

Somit wäre die Befreiung aus dieser Sucht ein unabdingbarer Akt auf dem Weg zu uns selbst, denn diese Themen begegnen uns immer wieder. Wer kennt es nicht, statt eines ehrlichen Neins schon mal ein „Ja (aber) ...“ gesagt zu haben, zum Beispiel aus Angst vor Zurückweisung. In diesem Moment geben wir unsere Macht an diesen Menschen ab, denn mit seiner Reaktion, seinem Wesen bestimmt er, was wir wie tun - wobei deshalb nicht jeder, der das mal tut, ein Co-Abhängiger ist, denn es hängt davon ab, in wieweit dies sein Leben bestimmt.

Schaffen wir es, diesen Mustern auf die Spur zu kommen und sie nach und nach aufzulösen, haben wir zum ersten Mal wirklich etwas nur für uns getan!

Wir müssen damit leben, daß immer irgendjemand irgendetwas an uns auszusetzen hat

- das ist der Lauf der Welt, allein bedingt dadurch, daß es soviele Menschen auf der Welt gibt wie verschiedene Meinungen. Doch wem wollen wir treu bleiben? Wer bleibt immer bei uns und schaut uns jeden Morgen im Spiegel an...?! Genau, WIR selbst sind es! Mit uns selbst müssen wir jeden Tag klarkommen - und uns selbst können wir nicht davon laufen, auch wenn wir auswandern oder als Alm-Öhi leben: ALLES, was wir in uns tragen, wird IMMER bei uns bleiben, wo immer wir sind. - Ist es da nicht besser, sich mit sich selbst wohlzufühlen, reinen Tisch zu machen, damit man morgens zufrieden in den Spiegel schauen kann...?!

Der Co-Abhängige richtet sich nach jedem und ist wie Gummi in den Händen der anderen. Er leidet oftmals unentdeckt still vor sich hin, doch in seinem Inneren tobt es und der Groll auf die Menschen, die ihn alle nicht verstehen und undankbar sind, wird immer größer.

Irgendwann ist ein Maß erreicht, wo dieser Groll, allein, um sich zu entladen, unbewußt in alles mit einfließt, was man tut

und man wundert sich, daß andere sich angegriffen fühlen, obwohl man doch gar nichts gesagt hat.

Der einzige Weg aus diesem Teufelskreis ist, ehrlich mit uns zu sein, uns um uns selbst zu kümmern; Denken, Fühlen und Tun wirklich EINS werden zu lassen. Nur so können wir werden, was wir sind, ein einzigartiges Individuum. Wir können es nun einmal nicht jedem recht machen! Wenn wir es dennoch versuchen, werden wir schnell feststellen, wie energie- und nervenaufreibend das ist. Und irgendwann fehlt die Kraft für wesentliche Dinge...

Mit jedem Verbiegen entfernen wir uns wieder ein Stück mehr von unserer Essenz, stören den Energiefluß in uns,

da Denken, Fühlen und vor allem TUN viel zu weit auseinanderliegen. Irgendwann erreicht man dann den Punkt, wo man die Energie, die dazu nötig ist, nicht mehr aufbringen kann und möglicherweise krank oder depressiv wird, denn jegliche Lebensfreude wird durch solches Tun natürlich im Keime erstickt.

Lassen wir die Welt, wie sie ist und alle die, die vielleicht Fehler machen.

Vielleicht machen ja wir in Wahrheit den Fehler, indem wir sie mit falschen Augen betrachten, nicht mit denen, die aus eigener Erfahrung verstehen, loslassen und akzeptieren können (weil sie das große Ganze sehen), sondern denen, die ablehnen, weil sie meinen, es auf jeden Fall besser zu wissen. Doch wir können unser Erleben nicht ungefragt und ungebeten jedem überstülpen - jeder hat seinen eigenen Weg und

eine selbst gemachte Erfahrung wird nie das gleiche sein wie etwas, das jemand anderes erlebt hat und uns mit auf den Weg gibt.

Siehe das Kind und die Herdplatte: wie oft hat die Mutter gewarnt, daß die Platte heiß ist, doch erst die EIGENEN verbrannten Finger sorgen dafür, daß einem soetwas in Zukunft nie wieder passiert...!

Einer Tatsache können wir sicher sein: alles wird seinen Weg gehen, denn jedes Teil hat ein höheres Bewußtsein und dient einem höheren Sinn, auch wenn es nicht in unser menschlich begrenztes Hirn paßt.

Glauben wir doch daran, daß wir genauso gebraucht werden, wie wir JETZT gerade sind und nicht, wie uns die anderen gern hätten.

Mit Selbstverleugnung tun wir uns keinen Gefallen, auch ist das nicht selbstlos, im Sinne des Höheren oder hat etwas mit Liebe zu tun. Die einzige Welt, die wir verändern können, ist die eigene und genau da sollten wir anfangen und zwar mit all dem, was uns GUT tut.

Versteht mich bitte richtig, ich will hier keinen falschen Egoismus fördern oder gar gut heißen, was auf Kosten der Erde oder anderer Menschen stattfindet. Wir sollten unser Gegenüber nur in jeder Situation stets so behandeln, wie wir selbst gern behandelt werden möchten -

man kann ein Nein auch klar und liebevoll rüberbringen, daß das Gegenüber dies auch so akzeptieren kann.

Wenn unser Gegenüber das dann doch nicht tut und uns (wie vielleicht schon all die Jahre zuvor) fest mit in seine/ihre Dinge eingeplant hat, so kann das natürlich zu Irritationen führen. Das sollte uns jedoch nicht davon abhalten, bei UNS zu bleiben, denn mit solchem Handeln folgen wir unseren inneren Impulsen, die vielleicht etwas viel Schöneres für uns bereithalten und bringen unseren Wert liebe- und kraftvoll zum Ausdruck. Die Schuldgefühle, die dabei vielleicht anfangs aufsteigen, sind ausgelöst dadurch, daß die anderen meist genau wissen, welchen „Knopf“ sie bei uns drücken müssen, um zu bekommen, was SIE wollen. Stellen wir uns aber vor, wie wir das Erwartete tun, spüren wir sehr genau, daß wir uns dabei noch schlechter fühlen. Die Glaubensmuster: „Ich muß immer gut sein“ und „ich muß immer helfen“ sollten wir ganz schnell beiseite legen und lieber schauen, daß wir zu uns SELBST gut sind und uns selbst zuerst helfen. Keiner hat das Recht, irgendetwas von uns zu erwarten, wirklich KEINER! Machen wir also das Rückgrat gerade (es heißt nicht umsonst, Rückgrat zeigen, wenn man mutig ist), richten uns auf und schauen, was es bei UNS selbst zu tun gibt und da ist in der Regel genug...

Auch hier gilt:

wer geschätzt werden möchte, muß zuvor sich selbst schätzen, wer möchte, daß seine Grenzen beachtet werden, muß zuvor seine eigenen Grenzen erkennen und klar definieren, wer geliebt werden möchte, muß zuvor sich selbst annehmen

und aus diesem Tun, das wir ganz allein für uns und nicht etwa für andere vollbringen, fühlen sich auch andere wiederum von uns gewertschätzt, geachtet, in ihren Grenzen akzeptiert und geliebt. Nur so funktioniert es - ich wünsche mir, daß wir alle dabei erfolgreich sind und so immer mehr den Weg zu uns selbst finden und gehen...

© Copyright by Grit Hermann

Quelle und einfühlsamer Buchtip einer ehemals selbst betroffenen Autorin
(mit einem Klick bei Amazon.de unverbindlich anschauen):

 

Weitere Bücher zum Thema finden sich in unserem Buch-Shop (powered by Amazon)

© Copyright by Grit Hermann