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Last Update: 09.11

Die Macht in Händen...
oder: wie ruiniert man eine funktionierende Ehe
in weniger als 5 Minuten?

von Grit Hermann  ☼  Quelle: www.casita-del-sol.de/berater.htm
 

gekürzter Auszug aus CASITA DEL SOL Sonderheft

Der folgende Artikel ist tatsächlich genauso passiert und macht deutlich, wie schnell wir alle unter bestimmten Umständen bereit sind, die eigene Intuition über Bord zu werfen und anderen mehr zu glauben als uns selbst...

Es fing damit an, daß ich mich bei einem großen Anbieter (der Name tut hier nichts zur Sache, da dies sicher kein Einzelfall ist) für esoterische Telefonberatung anmeldete.

Als Begrüßung für Neukunden gab es ein Gratisgespräch

und da sich beruflich bei mir einiges umzuorientieren schien und die Häufigkeit, in der dies in meinem Leben schon geschah, mich etwas beängstigt hat, entschied ich mich, dieses Gratisgespräch in Anspruch zu nehmen.

Ich meldete mich online an und erhielt wenige Tage später ein Schreiben per Post mit allen Details. Als ich etwas Zeit hatte, wollte ich nun mehr wissen und nahm die Sache in die Hand. Ich rief den Anbieter an, gab alle Daten durch und sollte dann zurückgerufen werden. Aber bereits bei der Anmeldung sagte man mir, meine Telefon-Nr. für den Rückruf sei nicht gemeldet, was eigentlich nicht sein konnte und ich solle den Service anrufen. Ich weiß nicht wie und warum, jedenfalls hatte ich, nachdem meine Aufregung etwas verflogen war (ich hatte einen solchen Dienst zumindest am Telefon noch nie genutzt und war deshalb etwas aufgeregt) entdeckt, daß ich unsere private Telefon-Nr. angegeben hatte und natürlich konnten sie die nicht finden, weil ich mich online mit der Geschäfts-Telefon-Nr. angemeldet hatte...

So etwas war mir noch nie passiert und hätte mir normalerweise schon zu denken geben sollen. Aber es kommt noch viel besser.

Ich rief wieder an, gab die richtige Telefon-Nr. an und wartete auf den Rückruf, der dann allerdings auf meinem AB landete, weil ich nicht daran gedacht hatte, daß an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit die Telefonanlage automatisch auf den AB umleitet, das heißt, ich konnte nicht mal den Anruf annehmen (das war der 2. Versuch)...

Gut, nehmen wir halt die private Telefon-Nr., die für Notfälle (in der Familie) immer erreichbar ist, denk ich mir. Erstmal wieder beim Dienst anrufen, fragen, ob das überhaupt möglich ist und los geht’s. Ich bekomme tatsächlich einen Anruf (mit jedem neuen Versuch komme ich ein Stückchen weiter)...! Und soll dann per Tastendruck das Gespräch annehmen. Tja, würd ich gern, aber das etwas ältere private Telefon hat nur Impuls- und keine Tonwahl - also kommt mein Tastendruck gar nicht an, die Leitung bleibt tot....

Oh je, was für ein Aufstand für EIN kostenloses Telefonat!

Spätestens hier (nach dem 3. Versuch ohne Erfolg) hätte ich es lassen sollen, aber inzwischen packte mich der Ehrgeiz, so eine Kleinigkeit doch wohl bewältigt zu bekommen (schließlich hab ich bei meinem PC schon ganz andere Dinge geschafft!) und so steckte ich die Telefone um, sodaß das richtige Telefon an der richtigen Leitung war und rief wieder den Dienst an. Mir wurden mehrere Berater angeboten mit guter Bewertung, die wohl häufig genutzt werden und ich wurde gefragt, welche Art der Beratung ich wünsche: Kartenlegen oder Astrologie. Ich zog die Karten vor und wählte eine Beraterin (werde ich ohne Foto oder nähere Beschreibung zum Angebot sicher nie wieder tun!).

Ich wurde verbunden und hörte recht leise am anderen Ende eine fast krächzende Stimme,

die mich in der ersten Sekunde an jemanden erinnerte, der mir wenig sympathisch war und von dem ich mir sicher, was mein Leben angeht, gar nichts sagen lassen wollte (aus gutem Grund). Kurze Zeit war ich am Überlegen, ob ich das Gespräch gleich beende, aber ich wollte nicht aufgrund der Stimme urteilen und schließlich waren wohl viele andere mit der Frau sehr zufrieden...

Die Beraterin bat um meine Frage, meinte, ich solle meine Beine auf den Boden stellen und "an was Schönes" denken (war das zu dem Zeitpunkt noch möglich???) und dann Stop sagen. Sie legte die Karten aus und meinte, ich sei beruflich zur Zeit unzufrieden - klar, sonst hätte ich wohl nicht gefragt...!

Ohne Umschweife und obwohl ich gar NICHT danach gefragt hatte und dazu auch nichts wissen wollte, weil indem Bereich definitiv alles okay ist, ging es in der Beratung plötzlich um meinen Mann.

Er würde aufräumen - das wäre schön, denn geschäftlich wie privat neigt er eher zum Chaos, besonders, was Papierkram angeht. Doch nein, sie meinte (inzwischen war sie während des Gesprächs mal eben so ganz nebenbei zum Pendeln übergegangen), unsere Ehe sei, leider fehlt mir das genaue Wort, heftig im Sinne von negativ. Gewiß, wenn man sich 18 Jahre kennt und 13 davon verheiratet ist, läßt so manches nach und es schleicht sich die Gewohnheit ein, was aber wohl fast "normal" ist und nicht heißt, daß man sich weniger liebt. Es ist halt eine andere, sehr viel tiefere Ebene, in die man sich begibt, wo man sich auch ohne Worte versteht... Und natürlich gibt es auch mal Streß bzw. Reibereien, zumeist um die gleichen Themen, aber auch das ist wohl nichts Ungewöhnliches.

Sie steigerte sich dermaßen rein und meinte dann plötzlich, sie könne gar nicht so schnell pendeln, wie die Antwort da ist...

Normalerweise würde man doch wohl erst einmal eine Frage stellen nach meinem Verständnis, denn ansonsten gibt man sein eigenes Denken, nicht aber das reale Geschehen wieder (ein Grund, warum ich niemals pendele, ist, weil meine mentale Kraft zu groß ist, das heißt, es kommt immer genau das raus, was ich denke im Bruchteil von Sekunden - sicher war das hier nicht anders, auch wenn die „Beraterin“ offensichtlich das Wort Selbstüberprüfung oder die Tatsache, daß es jedem gut tut, dann und wann sich selbst wie vor allem aber seine Arbeit in Frage zu stellen, noch nie etwas gehört hat...).

Jedenfalls meinte sie, mein Mann hätte eine Affäre, schon länger (die Frage ist, wann er die Zeit dazu hätte), es sei eine Freundin von mir (derzeit wie schon länger habe ich keine Freundin, ich habe einige Bekannte, aber keine Freundin, mit der man wirklich alles teilt und in der Nähe schon gar nicht).

Auch die Tatsache, daß ich meinte, ich fühlte da keinerlei Resonanz in mir, würde selbst seit der Kindheit sehr energiespürig sein (ich wußte in meiner Jugend bereits, wann mein damaliger Freund fremdging, BEVOR er es tat), störte sie nicht -

sie meinte nur, sie würde gern etwas anderes sagen, aber (sinngemäß): „...die Karten lügen nicht...“. Die Karten vielleicht nicht, aber...

Von wegen kann ich da nur sagen! Ich habe eine andere sehr gute Kartenlegerin mit hoher Trefferquote persönlich kennengelernt, jedoch habe ich wie einige damalige Bekannte unabhängig voneinander zur gleichen Zeit festgestellt, daß sie unsere Gedanken haargenau als Karten auslegte samt allen Hoffnungen, Ängsten und Wünschen, aber nicht das, was wirklich als nächstes kam... Und ich weiß selbst aus eigener Erfahrung, wie verwirrend die Karten sind, wenn ich sie mir selbst lege (deshalb wollte ich auch die Meinung von jemand Außenstehenden haben) und es mir gerade nicht gut geht, weil ich eben genau dieses Durcheinander in den Karten wiederfinde, aber keine Lösung des Problems.

Sie konnte nur meine unbewußten Ängste ausgelegt haben,

denn ich habe hohen Respekt gerade vor Skat- und Lenormand-Karten, weil sie sehr viel Power haben und genauer sind als Tarot-Karten (die wohl eher Trends und Richtungen anzeigen).

Und obwohl ich das spürte und mein Inneres ganz klar sagte, daß das alles nicht stimmt, wurde mir zusehends übel und ich beendete das Gespräch (es erinnerte mich an ein unreines Channeling in der Wirkung und eine Erfahrung mit einer Heilerin, die mich ohne mein Einverständnis weiterbehandelte, obwohl ich sie gebeten hatte, damit aufzuhören - es kam einer Art energetischen Vergewaltigung gleich - siehe der Artikel «Schwarze Magie - wo fängt sie an?»), denn

sie spulte ihren Film immer weiter ab, ohne auch nur in Betracht zu ziehen, daß da etwas falsch sein könnte.

Vielleicht ging es ihr auch nicht gut, denn stellenweise kam ich mir als Kunde wie zwischen Tür und Angel vor. Sie konnte sich nicht mal meinen Namen im Gespräch merken geschweige denn den meines Mannes, so als ob sie geistig gar nicht anwesend war. Na ja, es war ja auch nur ein Gratisgespräch...

Nach einiger Zeit war es in mir so diffus, daß ich Notfalltropfen brauchte.

Ich war einerseits geschockt, sprachlos (sie sah sogar schon den Anwalt und das Gericht in 6-8 Wochen!), verletzt und die Stimme, die ganz klar betonte, daß das Unfug ist, verschwand immer mehr im Chaos.

Als ich meinen Mann dazu später befragte, fiel der aus allen Wolken (gut, das wäre er wohl auch, wenn es die Wahrheit gewesen wäre) und fragte nur, wer so etwas behaupten würde und wie sie dazu käme. An seiner Reaktion konnte ich dann noch einmal spüren, daß das wirklich kompletter Unfug war, was die Kartenlegerin da erzählt hatte, denn ich weiß sehr wohl nach all den Jahren des „Studierens“ meines Mannes, wann er lügt und wann nicht.

Hinzu kam, daß wir den Tag zu einem Familien-Geburtstag eingeladen waren. Ich war eher gegangen, weil ich weiter an meinem Buch arbeiten wollte und er kam später nach Hause. Es gibt den schönen Satz: "in vino veritas" (im Wein liegt Wahrheit) und tatsächlich habe ich dies oft erlebt, denn die Kontrolle, die man mit dem Verstand ausüben kann, entfällt mit zunehmender Alkoholmenge. Viele zeigen unter Alkohol erst ihr wahres Gesicht, eben weil die Kontrolle wegfällt; das ist manchmal sehr aufschlußreich...

Jedenfalls hatte ich meinen Mann eben nach dieser Geburtstagsfeier zu späterer Stunde nach der Wahrheit gefragt, somit war auf doppelte Weise meine Wahrnehmung bestätigt!

Was mir das Ganze aber klar gemacht hat: und zwar, wieviel Verantwortung solch ein Berater hat...

Wäre ich nun so gestrickt, einer wildfremden Kartenlegerin (die vielleicht ansonsten keine spirituellen Fähigkeiten hat oder auch einfach schlecht sein kann oder das Ganze nur des Geldes wegen macht) mehr zu glauben als meiner eigenen (über Jahre geschulten) Wahrnehmung, hätte ich mit Unterstellungen meinen Mann solange genervt, bis er irgendwann wirklich eine Trennung vollzogen hätte... Unvorstellbar!

Ich hätte auf diese Weise etwas Kostbares zerstört, nur weil jemand anderes meint, etwas "gesehen" zu haben...

Letzten Endes ist es aber doch MEIN Leben, meine Verantwortung und meine Wahrnehmung! Sicher, vielleicht gibt es viele Frauen mit solchen Männern (vielleicht hat die Beraterin auch selbst so einen Mann gehabt, daß sie nun deswegen meint, alle seien so), wo es vielleicht wichtig ist, zu erfahren, daß und wie sie hintergangen werden, damit sie aufwachen und ihre Konsequenzen ziehen können, aber selbst dort, denke ich, man sollte als verantwortungsvoller Berater schauen, ob da eine Resonanz im Kunden ist und wenn nicht, IMMER die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß man sich auch IRREN kann, daß man einen schlechten Tag haben kann, eigenem Denken, Wunsch- oder Feindbildern erlegen ist o.ä. Wir sind alle Menschen und keiner ist unfehlbar, jedoch halte ich diejenigen für gefährlich, die da so tun, als wenn ihre Wahrheit die höchste Wahrheit wäre

oder die Sätze von sich geben wie: die Karten lügen nicht, was ich sage, ist Gesetz... Jede Karte, letztlich alles, was der Weissagung dient, ist ein momentaner Ausschnitt des Ganzen, eine Tendenz, nicht mehr und nicht weniger. Jede Entscheidung, die ich heute treffe, kann alles ändern und vor allem ist die Frage: ob ICH es ändern will, ob ICH das genauso sehe.

Das einzige, wozu dieses Gespräch tatsächlich gut war, war, meiner eigenen Intuition endlich mehr zu vertrauen, besonders, wenn es um so wichtige Dinge geht. Auf meine eigentliche Frage an die Kartenlegerin bekam ich zudem nicht mal eine Antwort, da bin ich genauso schlau wie vorher... Ich hatte auch irgendwann genug von dieser doch recht einseitigen Geschichte, die nur eins bewirkte: mich bis ins Mark zu erschüttern, um mir auf allen Ebenen wirklich ein für alle Mal bewußt zu machen:

überleg dir gut, an wen du deine Verantwortung, deine Macht abgibst...!

Hinweis: Ich möchte hier nicht die vielen guten, liebevollen und einfühlsamen Berater, aber auch Therapeuten und andere im Dienst am Menschen Tätigen angreifen oder gar verunglimpfen: Ihr leistet eine gute und wichtige Arbeit und sicher müßt Ihr nicht selten die Wunden solcher "Berater" wie oben wieder heilen helfen...

Der obige Artikel richtet sich viel mehr an die Kunden, an diejenigen, die solche Dienste in Anspruch nehmen, denn gewiß, das oben beschriebene Gespräch war kostenlos, noch schlimmer wäre es gewesen, für eine solche "Beratung" auch noch viel Geld zahlen zu müssen... Und deshalb: erlaubt all das, was Ihr gesagt bekommt (egal von wem, auch wenn sie noch so namhaft/erleuchtet scheinen), wirklich IN FRAGE ZU STELLEN!

Horcht wie bei einem Channeling in Euch, ob es stimmt und ein Echo gibt und was Euer Herz dazu sagt.

Gebt nicht Euer Schicksal ab an Menschen, die Ihr nicht und die vor allem Euch nicht kennen!!! Nehmt mutig Euren EIGENEN Weg in die Hand und erlaubt, dem zu glauben, was IHR spürt...
 

Das war der erste Artikel zum Thema. Aber es ging noch weiter...

Ich habe bei dem Internet-Dienst meine Bewertung zu dieser wahrlich unverantwortlichen Beratung abgegeben und wollte dann eigentlich meinen Account komplett kündigen. Ich rief beim Service an und fragte, wie das funktioniert und daß ich gerade eine "Beratung der 3. Art" hinter mir hatte und nicht möchte, daß mein User-Name neben der Bewertung steht, sodaß ich mich womöglich von der "Beraterin" mit weiteren Dingen behelligen lassen muß (zum Beispiel, warum ich sie denn schlecht bewertet habe).

Der Mann erklärte ganz verständnisvoll und ruhig, daß ich mir keine Sorgen machen brauchte und daß es sogar wichtig ist, ehrlich zu bewerten, denn wenn das in dieser Form öfter passiert (Reklamationen), werden diese Anbieter für die Kunden gesperrt. Er fragte, wie lange ich mit der Beraterin gesprochen hätte. Es kam mir länger vor, aber es waren nur acht (lange!) Minuten (in denen ich vergebens hoffte, daß noch etwas Positives kommt), bis ich genug hatte und auflegte. Und er antwortete: „Gut, wenn es 30 oder mehr Minuten gewesen wären, hätten wir das nicht machen können - so kann ich ihnen anbieten, ihr Gespräch zu reklamieren.“

Ich sagte nur: "Reklamieren? Es war doch schon kostenlos! Ich kann doch nicht etwas reklamieren, das schon kostenlos ist...!?"

kompletter Artikel im Casita del Sol Sonderheft

Zwischenbericht weit über 10 Wochen nach der "Beratung" durch die Kartenlegerin (nach 6-8 Wochen lag angeblich die Gerichtskarte, wobei kein Gericht in Deutschland das fehlende Trennungsjahr ignorieren würde!): mein Mann und ich sind weiterhin verheiratet, alles ist wie sonst im grünen Bereich, unser Winterurlaub mit meinen Eltern bereits erledigt und fast ein Jahr ins Land gegangen...!

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